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Woher hat der Schreckensturm seinen Namen?
Dieser Eintrag stammt von Th. Loch Am 10.2.2011 @ 17:28 In Historisches | Keine Kommentare
Woher hat der Schreckensturm seinen Namen?
Der Schreckensturm hat seinen Namen von einer seiner Funktionen her. Zum einen ist er ein Turm in der Stadtmauer, welcher der Verteidigung diente und der wie alle Türme auf der Westseite der Altstadt von Quedlinburg, für Stadttürme sehr hoch gebaut ist. Dieses hatte zwei Gründe, zum einen befinden sich im westlichem Vorland Hügel, welche einer weiten Sicht im Wege stehen und zum anderem besagt eine Legende, dass die Türme vom Lösegeld errichtet wurden, welches der Regensteiner Graf für seine Freilassung 1337 zahlen musste. Die Türme wurden so hoch gebaut, damit der Graf an seine Schmach erinnert werden sollte, wenn er von seiner Burg in Richtung Quedlinburg schaut. Die Auseinandersetzung ist belegt, auch das der Regensteiner an die Stadt zahlen und ein Waldstück abtreten musste, das davon die Türme gebaut wurden hingegen nicht, in die Zeit passen würde es aber.
Wie die anderen Türme der Stadt, hatte auch der Schreckensturm eine zweite Funktion. So wurde er im Jahre 1500 als Marterturm erwähnt und ab 1575 als Schreckensturm. Somit ist der Schreckensturm ein Zeugnis für die Art der Gefangenschaften in früherer Zeit. Das sich in diesem, neben einem Verließ, auch eine Kammer fürs peinliche Verhör befand, brauche ich wohl nicht extra erwähnen. Übrigens hatte man bei Grabungen im Schreckensturm etliche Gebeine gefunden, was darauf schließen lässt, dass man Gefangene dort verhungern lassen hat. Gefängnisse, wie es sie heute gibt, sind eine Erfindung der Neuzeit, im Mittelalter gab es entweder Verließe in Türmen, in Rathäusern, aber auch massive Holz“kisten“, in denen Menschen eingesperrt wurden, wie den Quedlinburger Raubgrafenkäfig, welcher heute im Schlossmuseum zu besichtigen ist. Wenn jemand eingesperrt wurde, hatte dieses meistens einen besonderen Grund, entweder ging es um Lösegeld, oder andere Möglichkeiten zur Umwandlung einer Strafe, ansonsten wurde die Strafen gleich vollstreckt und diese reichten, von an den Pranger stellen, über Verstümmlungen, bis hin zum Tot.
Zum Schreckensturm führt übrigens die Goldstraße, deren Name mit dem Edelmetall nichts zu tun hat und wie oft in solchen Fällen, ist der Ursprung des Namens nicht niedergeschrieben. Für die Goldstraße gibt es zwei Vermutungen, wobei eine mit dem Turm zu tun hat. Dabei ist Gold dem altgermanischen Rechtswort kol = Gericht gleichzusetzen. In diesem Zusammenhang sei an die Verbindung mit dem Markt, wo in ältester Zeit Gerichtsverhandlungen stattfanden und eben dem Schreckensturm, der das Wort koln = quälen bestätigt. Durch Lautumbildung wurde aus koln – Gold. Auf dieser Straße führten die Henkersknechte die Verbrecher zur Kolstätte, wo sie unter Umständen zur Buße schwerer Verbrechen und Vergehen, für die der Richter keine Todesstrafe aussprach, gequält und gemartert wurden.
Bis vor kurzem befand sich übrigens eine Ferienwohnung im Turm, von dem man eine schöne Sicht über die Stadt hat. Diese wurde jedoch aufgegeben, nach dem die Besucherzahlen zurück gegangen sind und die Kosten gestiegen. Nun hat man zwar von da oben eine gute Sicht über die Stadt, der Aufstieg ist aber nicht jedermanns Sache, von der Miete am Ende ganz zu schweigen.
Ach so, damit ich es nicht vergessen, der Vollständigkeit halber zur Goldstraße, welche 1583 schon Erwähnung fand und wahrscheinlich wesentlich älter ist, eine zweite Deutung für den Namen. Diese bezieht sich darauf, dass das Gegenteil von Gold, nämlich Dreck gemeint war. Wenn natürlich bedacht wird, dass es damals in den Städten nicht gerade sonderlich sauber war und in Quedlinburg gar Schweine durch die Straßen liefen, eigentlich keine Besonderheit.
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